Jukuren

Der Begriff Jukuren

Der Begriff Jukuren für eine spezielle Gruppe ist gut geeignet, weil er mit einer Definition gefüllt werden kann, da in Deutschland die japanische Bedeutung eher unbekannt ist und er genderneutral ist. Die Gruppe der Jukuren könnte daher eine Gruppe aus Personen sein, denen „normales“ Karatetraining manchmal zu anstrengend, zu hektisch oder fordernd (physisch, psychisch, mental) ist.

Die Definition des DKV zu Jukuren „Obschon im traditionellen japanischen Karate der Begriff zumeist für höhere DAN-Träger steht, gehören im DKV zu den Jukuren einerseits Personen, die über viele Jahre Karate ausgeübt haben und möglicherweise sogar höhere DAN-Träger sind. Andererseits finden sich unter den Jukuren auch Menschen, die sich erst in späteren Jahren dazu entschlossen haben, Karate zu betreiben, noch keine Graduierung besitzen und in den Sport vor allem ihre Lebenserfahrungen einbringen.

Auch Wiedereinsteiger, die nach einer längeren Pause zum Karate zurückfinden, oder Quereinsteiger, die bereits eine andere Sportart ausgeübt haben, zählen zu den Jukuren. Der Begriff Jukuren soll im DKV den Respekt und die Achtung vor diesen Menschen zum Ausdruck bringen.“ „Nicht mehr der Wettkampferfolg oder die Suche nach der eigenen Leistungsgrenze ist Antrieb, sondern eine erfüllende Lebensphilosophie, einen adäquaten Ausgleich, der ein hohes Gesunderhaltungspotential in sich trägt.

Bereiche, die der KARATESPORT in seinen Inhalten besonders gut abbilden kann:

  • Rücken- und Wirbelsäulengymnastik
  • Funktionsgymnastik
  • Dehnungsgymnastik
  • Reaktionstraining
  • Konzentrationstraining
  • Gleichgewichtsschulung
  • Selbstverteidigung / Selbstbehauptung
  • Meditation, Achtsamkeit, Entschleunigung“
Quelle https://www.karate.de/de/verband/ressorts/jukuren.php, Stand 4.1.2026

Definition Jukuren WDK

  • Menschen ab ca. 55 Jahren
  • Personen im Ruhestand
  • Personen mit Einschränkungen
  • Personen, die spät mit Karate anfangen / angefangen haben
  • Personen, die schonend Karate erlernen wollen
  • Personen, die viel erlebt haben und daher besonders selbstbestimmt üben wollen
  • Personen, die einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen
  • Personen, die einen besonders respektvollen / einfühlsamen Umgang erwarten


Problem einer Altersdefinition

  • Kalendarische Alter (Lebensjahre)
  • Biologische Alter (Zustand der Lebensfunktionen)
  • Psychologisches Alter (Wohlbefinden, Umgang mit Veränderungen)
  • Soziologisches Alter (Gesellschaft bestimmt das Alter)
  • Individuelles Alter (Selbstbild)


Für Jukuren sind folgende Aspekte des Karate (siehe Teruo Kono: Karate -Der Weg zum Schwarzgurt-) besonders wichtig

  • Gesundheitsaspekt
  • Selbstverteidigungsaspekt
  • Mentale Aspekte
  • Körperliche Aspekte (Fitness)


Gruppenzusammenstellung

  • Eigene Gruppe im Verein (vielleicht mit Vormittagstermin, wenn andere Gruppen keine Zeit haben)
  • Gruppe, die im Rahmen des normalen Trainings / Lehrgangs besonders individuelle Tipps bekommt
  • Keine eigene Gruppe, aber besonders individuelle Tipps




Merkblatt Jukuren



Anregungen zum Training mit Jukuren:



  • Herzerschütterungen (Commotio cordis) vermeiden, d.h. kein Chudan-Kontakt im Brustkorbbereich
  • Pressatmung (Blutdruckerhöhung) vermeiden, d,h. keine Seishan, keine Kraftübungen mit hoher Belastung (z.B. Liegestütz nur auf Knien, keine zusätzlichen Belastungen durch Tragen des Partners oder Gewichte)
  • Kraftübungen sehr langsam steigern
  • Herzfrequenz maximal 120-130 (Puls nach Belastung messen lassen)
  • Ausdauer-Training wichtig, d.h. Zählen im Rhythmus, Trainieren im Rhythmus
  • Rhythmus-Wechsel (z.B. plötzliche Angriffe) erst nach einer Gewöhnung an das Training einbeziehen
  • Übungen, die anstrengen, nicht länger als gesamt 45 Minuten machen, insgesamt 60 Minuten mit Wechsel Belastungsphase und Erholungsphasen sind besser, Überforderung vermeiden
  • Kräftigung der Muskulatur ist wichtig (große und kleine Muskelgruppen, z.B. Bauch, Rücken, Arme, Beine, aber auch Zehen, Finger, Nacken), Bewegungslust wecken
  • Puls möglichst während des Trainings 105-130 Schläge pro Minute
  • Jukuren haben Probleme mit dem Selbstbewusstsein, daher möglichst viele Erfolgserlebnisse verschaffen, d.h. Übungen so langsam erklären und nachmachen lassen, dass sie gelingen!
  • Immer am Anfang die bekannten Techniken wiederholten (alle!) und dann kurze Lernphasen und am Ende wieder bekannte Techniken wiederholen (die besonders bekannten!)
  • Gleichgewicht lässt nach, daher besonders üben, z.B. Balancieren, auf einem Bein stehen, auf Matten stehen und gehen, Keri langsam oder auch Stände wie Nekoashi und mit dem vorderen Bein Maegeri
  • Beweglichkeit lässt nach, daher viel Dehnung am Anfang und am Ende des Trainings (nach den Wiederholungen), Dehnung in den großen Gelenken, Wirbelsäule, Brustkorb, Hüftbereich
  • Übergänge vom Stand in den Boden nicht vernachlässigen
  • Mobilität erhöhen durch große Schritte, über Hindernisse steigen
  • Bewegungssteuerung durch ausweichen können, Richtungsänderungen, viele verschiedene Bewegungen, verschiedene Bewegungen gleichzeitig ausführen können, auf mehrere Reize gleichzeitig reagieren können
  • Reaktionsübungen: Auge und Extremitäten-Koordination, z.B. erst auf langsamen Angriff reagieren, dann Geschwindigkeit steigern; Schlagen gegen Pratze und Sandsack erst in Ruhe, dann in Bewegungen, z.B. gegen Ball schlagen, der mit beiden Händen bewegt wird, dann gegen Ball schlagen oder treten, der hochgeworfen wird
  • Begegnungsmöglichkeiten schaffen (Kommunikation ist so wichtig wie Bewegung)
  • Einstellung zum Älterwerden / zu Einschränkungen:
      - sich verwirklichen (nur das tun, was einem gut tut) - etwas erleben (neugierig bleiben) - viel genießen (sich oft etwas Gutes tun) - dankbar sein für alles Gute, das uns wiederfahren ist und wiederfährt - Gelassenheit (sich nicht aufregen; lieben, was ist; Kränkungen vergessen) - Achtsamkeit (Umgebung und Schönheit wahrnehmen, Weg der kleinen Schritte) - Einfachheit (Leben einfach und überschaubar gestalten, persönlicher Lebenssinn im Zentrum)
  • Beim Üben Versagensängste nehmen
  • Langsames Lerntempo akzeptieren / ermöglichen
  • Positive Verstärkung


Elke von Oehsen 07/2026


Quellen
  • Fritz Nöpel, Martin Nienhaus: Jukuren. Kampfkunst der Erfahrenen.
  • Traudel Theme: Bewegung im Alter -Körper und Geist gemeinsam fördern-
  • Walter Zägelein: Move for Life -Gesund durch Bewegung-
  • Christina Rosenberg: Fitnesstraining
  • Sportmedizinische Fachliteratur
  • Petra Regelin: Aktiv bis 100
  • Ruediger Dahlke: Gesund und glücklich älter werden
  • Teruo Kono: Karate -Der Weg zum Schwarzgurt-


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